Exklusiv: Das erste Brennstoffzellen-BHKW ist lieferbar!

CFCL BlueGen Brennstoffzellen-BHKW (Bild: CFCL)Nach Jahrzehnten der Versprechungen und immer wieder neuer Termine für eine Markteinführung ist es endlich soweit: „Das erste Brennstoffzellen-BHKW lässt die Feldtestphase hinter sich und ist für Endkunden sowie Energieversorger lieferbar. Die ersten 100 Geräte konnten wir bereits in kürzester Zeit absetzen“, freut sich Sanevo blue energy Geschäftsführer Gert Studer im Interview mit der BHKW-Infothek. Das BlueGen von Ceramic Fuel Cells kann seit wenigen Wochen beim Offenbacher BHKW-Distributor Sanevo zum Preis von 29.000 Euro (netto) bestellt werden.

Sanevo habe bewusst keine Werbeoffensive gestartet, um nicht überrannt zu werden. Denn seit die Kooperation mit Ceramic Fuel Cells (CFCL) im Sommer bekanntgegeben wurde, kamen die Anfragen nach dem hocheffizienten Brennstoffzellen-BHKW ganz von allein. „Unser Ziel ist es, im Jahr 2012 mehrere hundert Geräte vom Modell BlueGen abzusetzen“, berichtet Gerd Studer.

CFCL BlueGen auf der Hannover Messe 2011 (Bild: BHKW-Infothek)CFCL BlueGen auf der Hannover Messe 2011 (Bild: BHKW-Infothek)CFCL BlueGen auf der Hannover Messe 2011 (Bild: BHKW-Infothek)

CFCL BlueGen Brennstoffzellen-BHKW auf der Hannover Messe 2011
(Bilder: BHKW-Infothek)

Die Lieferung und Montage des BlueGen wird von Sanevo im Rahmen einer Pauschale von nur 2.800 Euro angeboten. Für 10 Jahre ist zudem ein Wartungspaket zum Preis von 1.152 Euro jährlich erhältlich. Dieses Paket schließt nicht nur alle Kosten der Wartung, sondern auch Ersatzteile, Reparaturen und wenn nötig einen neuen Brennstoffzellenstack ein. Für die Laufzeit des Wartungsvertrages wird ein durchschnittlicher elektrischer Wirkungsgrad von 50 Prozent garantiert. Die Kosten für eine BlueGen Installation mit 10-jähriger Garantie und Wartung summieren sich auf insgesamt 43.320 Euro (netto).

Die Wirtschaftlichkeit werde in der Anfangsphase nur im Zusammenspiel mit staatlichen Förderungen erreicht, räumt Sanevo Geschäftsführer Gert Studer im Gespräch mit der BHKW-Infothek ein. „Für eine günstige Massenproduktion fehlen noch die nötigen Stückzahlen. Das BlueGen wird derzeit von Ceramic Fuel Cells in sehr kleinen Stückzahlen im Nordrhein-Westfälischen Heinsberg gefertigt. Durch höhere Stückzahlen und die damit zunehmende Automatisierung sowie Optimierung der Fertigung werden die Kosten in ganz erheblichem Umfang sinken“, verspricht Studer.

Dank staatlicher Förderung sei das BlueGen jedoch auch in Anbetracht der noch hohen Kosten der neuen Technologie wirtschaftlich zu betreiben. „Von mehr als fünf Bundesländern sowie zahlreichen Stadtwerken wissen wir, dass eine Förderung mit bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten eines Brennstoffzellenheizgerätes geplant ist“, weiß Gert Studer zu berichten. Mit dieser Anschubfinanzierung der neuen Technologie soll der Brennstoffzelle nach Jahrzehnten der Entwicklung und zahlloser Ankündigungen nun endlich der Sprung in den Massenmarkt gelingen.


Hannover Messe 2011: Das BlueGen Brennstoffzellen-BHKW von CFCL
(Video: BHKW-Infothek)

Das BlueGen nutzt eine moderne von Ceramic Fuel Cells selbst entwickelte SOFC Brennstoffzelle namens Gennex zur Umwandlung von Erdgas in Strom und Wärme. Dabei erreicht das BlueGen Modul seine elektrische Nennleistung von 1.500 Watt bei einer Heizleistung von nur etwa 625 Watt und erzielt somit eine bis dahin unerreichte Stromkennzahl von 2,4 bei einem elektrischen Wirkungsgrad von sagenhaften 60 Prozent.

Der BlueGen Hersteller Ceramic Fuel Cells wurde bereits 1992 gegründet und entwickelt seither Brennstoffzellenheizgeräte sowie Brennstoffzellenstacks und weitere Komponenten für andere Hersteller von Brennstoffzellen-BHKW. Das BlueGen Brennstoffzellen-BHKW wurde im Mai 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt und bereits kurz darauf weltweit in Feldtests erprobt. Die Erprobung in Deutschland erfolgte mit 17 Modulen im Rahmen des Callux Projektes, an dem sich auch Vaillant und die Baxi Gruppe beteiligen. Als Ergebnis des Feldtests wurde die ursprünglich angestrebte Leistung von 2 kW elektrisch auf 1,5 kW abgesenkt, um eine vertretbare Lebensdauer des Brennstoffzellenstapels zu erreichen. Mit zukünftigen Versionen des Gennex Brennstoffzellenstacks sollen die angestrebten 2 kW elektrischer Leistung erreicht werden.

Technische Daten des BlueGen
(Quelle: Sanevo, Modelljahr 2011)
Elektrische Leistung500 bis 1.500 WattOptimal: Konstanter Betrieb bei 1.500 W
Thermische LeistungBis zu 625 WattBei 30°C Heizungsrücklauf
Elektrischer WirkungsgradBis zu 60 %Maximaler elektrischer Wirkungsgrad bei 1.500 W
Thermischer WirkungsgradBis zu 25 %Bei 30°C Heizungsrücklauf
GesamtwirkungsgradBis zu 85 %Bei 30°C Heizungsrücklauf
ModulationsgeschwindigkeitBis zu 37,5 W/minTatsächliche Dauer abhängig von Systemstatus, nominal 40 Minuten bis 1,5 kW Leistungsabgabe
AbgaswerteCO = 8ppm
COu = 29ppm
Bei konstantem Betrieb mit 1.500 W Leistung.
Keine NO, ZOu, NOx und NOxu Emissionen.
Zum Einsatz kommt im BlueGen eine sogenannte “Solid Oxide Fuel Cell”, was so viel bedeutet wie Festoxidbrennstoffzelle. SOFC Brennstoffzellen gehören zur Kategorie der Hochtemperatur-Brennstoffzellen, welche bei einer Betriebstemperatur von 650 bis 1.000 °C arbeiten. Dies ermöglicht im Gegensatz zu PEMFC Brennstoffzellen die Verwertung von Erdgas ohne aufwändiges externes Reforming. Das Reforming findet dank der hohen Betriebstemperaturen direkt in der Brennstoffzelle zusammen mit der elektrochemischen Reaktion statt. Im BlueGen kommt jedoch ein zusätzlicher Prereformer zum Einsatz, der das im Erdgas enthaltene Propan und Ethan in Methan wandelt. Zudem wird mit einer Filterkartusche schädlicher Schwefel aus dem Erdgas entfernt. Die Hauptreformierung findet auch beim BlueGen innerhalb der Brennstoffzelle statt. Die einzelnen Zellen sind mit etwa 270 Mikrometern hauchdünn und bestehen aus einer tragenden Schicht aus Yttrium-stabilisiertem Zirkonoxid, einer Nickel-Oxid Anode, einer als Elektrolyt fungierenden besonders dünnen Yttrium-stabilisierte Zirkondioxod-Membran sowie einer Kathode aus Strontium-dotiertem Lanthanmanganat.

Durch den Verzicht auf einen internen Spitzenlastbrenner ist das BlueGen Modul besonders kompakt. Zusätzliche Heizleistung kann mit einer beliebigen Spitzenlasttherme bereitgestellt werden, was zudem eine besonders hohe Flexibilität ermöglicht. Eine Wartung ist für das BlueGen ein- bis zweimal jährlich vorgesehen und beschränkt sich auf eine Sichtkontrolle sowie den Austausch der Filterkartuschen. Dank einer LAN-Schnittstelle kann das BlueGen Brennstoffzellen-BHKW bequem aus der Ferne bedient und kontrolliert werden. (lfs)

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